Als wir morgens um 7uhr in Roscoff ankamen, regnete es leider in Strömen. Wir suchten das erste offene Café und beratschlagten, was zu tun sei. Eigentlich kam uns der Regen ganz recht, denn wir wollten sowieso einen Ruhetag einlegen, suchten uns also ein günstiges Hotel, sogar mit Meerblick und warteten ab. Nachmittags hörte der Regen auf und wir konnten den entzückenden Ort erkunden. Die nächsten drei Tage war es leider immer noch sehr wechselhaft, so dass wir in Hotels schlafen mussten und nicht so recht voran kamen.
Nett waren im Norden der Bretagne die Räder mit den Zwiebeln. Das hat nämlich Tradition. Früher fuhren die Franzosen, die Jonny genannt wurden, mit ihren mit Zwiebeln vollbeladenen Rädern auf Schiffen nach England und verkauften dort die Zwiebeln an die Engländer, die offensichtlich keine hatten.
Dann wurde das Wetter besser und es war einfach nur noch schön! Wir fuhren am Brest-Nantes-Kanal entlang, der viele Schleusen hat, die alle wundervoll mit Blumen geschmückt waren. Der Weg war schön, die kleinen Ortschaften entzückend und die Stimmung wurde immer besser. Endlich konnten wir wieder im Zelt schlafen und die municipal Zeltplätze waren gut und billig. Wir entdeckten niedliche kleine Orte aa, Kanal und genossen den autofreien Weg am Kanal. 
Die Franzosen sind ja ziemlich fahrradverückt. Man trifft viele ältere Leute in vollem Rennoutfit auf Tour. Aber ansonsten lieben sie ihr Auto undfür ein einziges Baguette fahren Sie zur nächsten Boulangerie. Auch sieht man niemals Menschen alltägliche Dinge mit dem Rad erledigen, z.B. zur Schule oder Arbeit fahren, einkaufen oder ähnliches. Aber wenn die Tour de France durch ihr Dorf geht, dann steht die Welt Kopf. Diese Türbemalung fanden wir in der Nordbretagne, man kann sich vorstellen, was da am 11. Juli los war.
Dann aber bogen wir vom Kanal ab, denn wir wollten ja noch nicht nach Nantes, sondern erst nach Saint Nazaire, wo unser R6 Radweg beginnen sollte. Die Fahrt dahin war schön durch ein Naturschutzgebiet, aber St.Nazaire hat mich enttäuscht. Vielleicht lag es am Wetter, es wartotal heiß unddrückend und das Wasser war gerade weg. Es war gar nicht so urlaubsmäßig wie ich es mir vorgestellt hatte. Und dann kam diese schreckliche Brücke, über die ich radeln musste und wo ich solche Angst hatte, dass ich vom Wind auf die Straße gedrückt wurde. Ich hab fast geheult, nie wieder will ich über so eine Brücke fahren. Aber auf der anderen Seite war dann das Schild vom Start unseres Weges und alles war gut. Wir fuhren noch ca. 15 km um auf einem Zeltplatz gegenüber einer Ölraffinerie, ich dachte nachts ich kriege eine Vergiftung, so doll stank es. Und dannkam noch ein heftiges Gewitter. Aber zumindest regnete es den nächsten Tag nicht.
Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Nantes, eine sehr schöne Stadt. Der Radweg war sehr schön und gut ausgeschildert, mal nördlich, mal südlich der Loire, fast immer abseits von Verkehr. In Nantes haben wir Mittag gegessen und ein wenig sightseeing gemacht.
Und wurde es von Tag zu Tag schöner, die Orte interessanter, die Natur wunderhübsch, und insgesamt waren nicht viele Leute unterwegs. Die Loire hat so wenig Wasser, dass keine großen Schiffe fahren können. Die Strömung ist ganz kräftig, man kann leider nicht baden, obwohl teilweise breite Strände da sind. 
Dann ging es auch schon mit den Schlössern los. In Amboise besichtigten wir ein kleines Schloss, in dem Leonardo da Vinci die letzten drei Jahre seines Lebens verbrachte. Es gab eine fantastische Ausstellung zu den Errungenschaften seines Lebens, sehr gut gemacht mit Hörstationen und " hands on" Objekten und einem riesigen Garten. Wir waren da für gut zwei Stunden und staunten, was der Mann alles schon entwickelt hat.
Ich ging abends noch in das Schloss Chaumont. Das lag auf einem Berg an der Loire in einem wunderschönen Garten. Die reich ausgestatteten Räume beeindruckten mich sehr. Besonders schön fand ich die Kapelle, die gerade mit einem Kunstobjekt ausgeschmückt war. Dazu wurde mystischer Chorgesang gespielt. In den Schlosspark waren viele Skulpturen ausgestellt. Es war ein sehr schönes Erlebnis.
Die nächsten Tage kamen wir an vielen Schlössern vorbei. Auf dem Foto seht ihr das berühmteste, Schloss Chambord. Aber dort waren so viele Touristen, dass wir nicht hineingegangen sind. Außerdem war die Gartenanlage total langweilig. Da sind wir lieber weiter geradelt bis nach Beaugancy, wo wir einen tollen Zeltplatz direkt an der Loire gefunden haben. Auf dem Weg kamen wir wieder an einem Atomkraftwerk vorbei. Davon gibt es viele in Frankreich.
Die Radstrecke war wirklich wunderbar und sehr abwechslungsreich. Wir entdeckten viele kleine Orte mit engen Gassen und hübschen Blumen. Besonders gut gefiel uns La Charité, wo wir auch Klaus und Astrid wieder trafen, ein Paar aus dem Elsass, das wir schon öfter zufällig getroffen hatten. Das Besondere an La Charité war in die Kirche, die früher riesig war und im Mittelalter ein großes Pilgerzentrum darstellte. Heute gibt es nur noch eine Kirche, aber ein Teil des ehemaligen Klosters sind nun Wohnhäuser. Sehr viel Atmosphäre in dieser kleinen Stadt.
Danach fuhren wir die letzten Kilometer des Loire Radweges gemeinsam mit Klaus und Astride. Wir fuhren dann weiter an vielen kleinen Kanälen entlang, teilweise mit Aquädukten, und entdeckten weitere Städte, wie zum Beispiel Decize, St. Leger, Beaune, Bourbon-Lancy. Mit dem Wetter hatten wir viel Glück , aber nachts wurde es schon kühl und morgens war das Zelt sehr nass. Im Burgund fing es dann an zu regnen. So mussten wir wieder ein Hotelzimmer nehmen. Das Burgund war sehr spannend, weil die Weinernte in Gange war. In den Dörfern roch es überall nach Wein. Die Straßen klebten von dem Traubensaft.
Nach dem Burgund kamen wir ins Juragebirge, auch wunderschön dort. Wir radelten entlang des Flusses Doubs, der sich durch die Berge schlängelte. Da sich die Blätter schon gelbfärbten, sah es sehr romantisch aus. Leider hatten schon viele Campingplätze geschlossen, so dass manche Tagesetappen länger als gewünscht wurden.
Auf den Weg nach Mühlhausen fing es so stark an zu regnen, dass Arne mit dem Zug fahren wollte. Aber der nächste fuhr erst 2 Stunden später. So bissen wir in den sauren Apfel und strampelten weiter. Als wir in Mühlhausen ankamen, schien die Sonne so warm, dass alles schnell wieder trocknete. Die Stadt gefiel uns gut. Auf dem Markt war gerade eine Fahrradmesse. Das war sehr interessant. Trotzdem entschlossen wir uns weiter zu fahren, entlang dem Rhone-Rheinkanal bis kurz vor Basel. Uns kam ein warmer Wind entgegen (Fön)und es war eine schöne Stimmung. Auf dem Zeltplatz lernten wir Ingo  kennen, der uns viele Tipps für Asien gab.