24.1.16 Warmer Empfang in Kambodscha! Nach unkomplizierter Einreise kam dies! Überall Feuer am Straßenrand. Leider wird hier gerade sehr viel abgebrannt um neue Felder für Palmölplantagen zu schaffen. Die Luft ist dementsprechend auch ziemlich schlecht. Wir hoffen, dass das nur im dünn besiedelten Grenzgebiet so ist.
Die Gegend von der Grenze bis zur ersten größeren Stadt Stung Treng ist sehr arm und einsam und die Straßen sind recht schlecht. Dafür war so gut wie kein Verkehr. Zum Glück fanden wir ein gutes Hotel mit fast westlichem Standard.
Am morgen bin ich immer diejenige, die auf Futtersuche geht, da Arne gern länger schläft. Ich liebe es auch, morgens über den Markt zu gehen, nicht dass ich das Fleisch kaufen will, aber Obst und hier in n Kambodscha auch mal Baguette.
Nachdem wir Geld organisiert hatten, führen wir los, mit einem etwas mulmigen Gefühl, da wir nicht wussten, ob es an unserem Ziel nach ca. 90km ein Guesthouse geben würde.
Aber die Straße war super und wir kamen trotz Gegenwinds gut voran. Und welch ein Wunder-es gab ein Guesthouse, das hatte vor 5 Monaten aufgemacht, sah aber schon ziemlich heruntergekommen aus. Egal, Hauptsache Bett.
In dem Dorf lernten wir den Englischlehrer kennen, der uns bat abends zu seinem Englischkurs vorbei zu kommen. Da war ich in meinem Element. Hat richtig Spaß gemacht, obwohl sie nicht so viel konnten. Arne hat derweil vom Lehrer eine Menge erfahren. In dem Dorf gibt es erst seit 2 Monaten Strom, aber nur 50 Familien haben sich angeschlossen, der Rest hatte nicht die 250 Dollar, die das kostete. Ein Highschoollehrer verdient ca. 200 Dollar im Monat, das reicht knapp um die Familie zu ernähren. Er hatte auch nur zwei Kinder. Auf dem Land gibt es Familien mit 12 Kindern. Die Regierung will nun eine Aufklärungskampagne starten.
Das Rad Fahren macht in diesem Land genauso viel Spaß wie in Laos oder Myanmar. Die Menschen sind so aufgeschlossen und grüßen immer fröhlich mit "hello, bye bye" und freuen sich wirklich über die weißen Radfahrer. Hier fahren auch wieder mehr Einheimische mit dem Rad, da alles ärmer ist.

Es dauerte drei Tage nach Siam Reap zu radeln und dabei konnten wir schon bei zwei tollen Tempelanlagen anhalten. Hier sind wir in Kho Ker, der Stadt, die vor Angkor Wat Hauptstadt des Khmerreiches war. Sehr schön, und kaum Touristen.
Auf der nächsten Strecke mussten wir wieder durch ein Gebiet, wo sie Felder abbrennen. Hier sind Kautschukplantagen geplant. Ich habe gelesen, dass man noch keinen gleichwertigen Gummi künstlich herstellen kann und deshalb überall in Asien Plantagen angelegt werden.
60 Kilometer vor Siam Reap besuchten wir Beng Mealea, einen total überwucherten Tempel im Dschungel, den sie auch schon oft als Filmkulisse genutzt haben. Sehr mystisch. Aber dann war es noch ganz schön anstrengend bis in die Stadt zu fahren. Hier ist es total überlaufen, hektisch und heiß. Aber wir haben ein sehr schönes, ruhiges Guesthouse n einer Seitenstraße gefunden.
Arne brauchte erst mal Ruhe, also fuhr ich allein zum Landmine Museum, das von einem ehemaligem Kindersoldaten aufgebaut wurde. Er hatte damals unter den Roten Khmer die Bomben selbst gelegt, begriff aber erst viel später, was für ein großes Leid sie anrichten. Darum hat er eine NGO gegründet zum Minenräumen, dieses Museum und ein Reliefcenter, wo den Opfern geholfen wird.
Samstagnachmittag kauften wir unseren Dreitagespass für den Angkor Wat Park. Damit dürfte man den Abend zuvor schon rein um zum Beispiel den Sonnenuntergang am Phnom Bakeng anzuschauen, was ungefähr 500 andere Touristen auch wollten. Also kamen wir nicht mehr rauf, war aber auch nicht so schlimm und man bekam einen Eindruck, was für Menschenmassen die nächsten Tage zu erwarten sind.
Ich war dann abends noch bei einem Vortrag und Cellokonzert von dem Schweizer, Dr. Beat Richner, der schon 5 Kinderkrankenhäuser , Kantha Bopha, in Kambodscha aufgebaut hat und ständig auf Sponsorensuche ist. Er ist unglaublich engagiert und hat interessant berichtet. Auch der Film am Schluss war sehr aufschlussreich.
Am Sonntag wAr unser erster richtiger Tag im Park. Klar, Menschenmassen sind unterwegs, aber alles ist auch so faszinierend, dass alle Welt es sehen will. Besonders der völlig überwachsene Tempel strahlt eine mystische Stimmung aus.
Aber auch Angkor Thom , eine riesige Stadt, zieht die Besucher mit ihren zahlreichen in Stein gemeißelten Gesichtern in ihren Bann. Leider war es sehr heiß und auch die Wege sind sehr weit, so dass man nach 5-6 Stunden ziemlich kaputt ist und sich auf die Dusche und ein paar Stunden ausruhen im klimatisierten Hotelzimmer freut.
Heute früh waren wir erst mal auf dem Markt, unglaublich, was da für ein Gewimmel herrscht. Aber hier geht praktisch jeder jeden Morgen auf den Markt um den Tagesbedarf einzukaufen, denn die wenigsten haben einen Kühlschrank.
Das nächste Gewimmel herrschte in Angkor Thom. Die Touristenmassen strömten durch den Tempel ( Suchbild: wo ist Martina?). Aber irgendwie war es trotzdem total schön und später fanden wir auch noch ruhige Tempel.
Bei allen großen Tempeln laufen Frauen und Kinder herum, die versuchen eine, etwas zu verkaufen. Dieses kleine Mädchen hat es geschafft Arne zu überzeugen, dass er zehn Postkarten kauft, die wir natürlich überhaupt nicht mehr brauchen. Außerdem war ich böse auf ihn, weil das Kind lieber in die Schule gehen soll, als Sachen zu verkaufen. Aber wenn sie jeden Tag erfolgreich viel Geld nach Hause bringt, dann darf sie das natürlich nicht.
Am Mittwoch habe ich die Angkor Thom Junior Highschool in Peak Sneang besucht ( Jessica, die wir in Myanmar kennengelernt haben, vermittelte den Kontakt). Es war ein tolles Erlebnis für mich diese so gut geführte und gepflegte Schule zu besichtigen. Gerlinde Zinkeisen hat sie aufgebaut und viele Spenden ermöglichen den Alltag.
Ich durfte ein wenig beim Englischunterricht helfen, denn Lehrer sind hier knapp und richtig ausgebildete Englischlehrer gibt es auch nicht. Wer Englisch kann, muss es unterrichten. Aber sie geben ihr Bestes und leisten tolle Arbeit. Ich könnte auf Dauer nicht unter solchen Bedingungen arbeiten.
Einige Schüler fahren mittags nach Hause zum Essen, aber viele bleiben auch in der Schule, wo sie kostenlos gutes Essen bekommen. Mir ging es dann leider nicht so gut, so dass ich schon um 13.15 wieder zurück geradelt bin, waren immerhin auch 40 km , da ich nicht den kurzen Weg durch den Park fahren durfte. Insgesamt aber ein spannender Tag!
Am 4.2. ging es nach Battambang, und zwar mit dem Boot. Das Tuk Tuk brachte uns zur Bootsanlegestelle , von wo aus wir ein Stück über den Tonle Sap, größter Süßwassersee von Südostasien, und dann einen kleinen Fluss entlang fuhren.
Das war so toll! Wir kamen an zahlreichen " floating villages" vorbei und konnten das Leben dort hautnah miterleben. Schule, Polizei, krankenstation, Markt, Läden und natürlich viele Wohnhäuser.
Spannend auch diese riesigen Anlagen aus Bambus zum Fischen. Das ist eine sehr fischreiche Gegend, auch wenn das Wasser extrem flach und braun ist. Wir haben uns mehrere Male fast fest gefahren.
Nett war auch die Bevölkerung an Land, die uns immer freundlich zuwinkte. Teilweise waren die Behausungen extrem ärmlich, nur eine Plastikplane auf Holzstützen, oder Wellblechhütten.
In Battambang blieben wir zwei Tage. Am ersten machten wir eine wunderbare Radtour am Fluss entlang durch viele kleine Dörfer. Am Ende besichtigten wir eine schöne Tempelanlage und als wir wieder raus kamen, war gerade Schulschluss.
In Battambang gibt es eine berühmte Zirkusschule für Straßenkinder. Da waren wir abends zu Gast und erfreuten uns an den Darbietungen, die wirklich ein hohes Niveau hatten. Nur der Rückweg zu unserem Guesthouse war ein wenig schwierig, da es nich so viel Straßenbeleuchtung in der Stadt gibt.
Am nächsten Tag machten wir einen weiteren Ausflug zu einem Berg, auf dem kleine Tempel Sanden und viele Affen wohnten. Arne liebt es diese zu beobachten. Ich bin eher skeptisch, denn in Siam Reap haben sie meine Wasserflasche vom Fahrrad geklaut.
Dieser Berg hat aber auch eine traurige Geschichte, denn in der Zeit der Roten Khmer wurden hier ähnliche Menschen gefoltert und dann in Höhlen geworfen, um dort zu sterben ( killing caves). Wir hatten einen Schüler, der uns erzählte, dass 10.000 Leute umgebracht wurden, auch viele Kinder.
An unserem letzten Tag in Kambodscha , 7.2., war eine Art Sylvester, Chinese New Year. Die Kinder böllerten rum, vorzugsweise unter Wellblechdächern, und in den Häusern wurde das abendliche Fest vorbereitet. Wir hatten in dem Ort, wo wir übernachteten, Schwierigkeiten ein offenes Restaurant zu finden. Es gab aber nur Knaller, kein Feuerwerk und das auch nicht um Mitternacht, sondern tagsüber und um 5 Uhr morgens. Insgesamt sind wir in Kambodscha 740 km gefahre ( ich sogar 960, weil ich ein paar Tagesausflüge ohne Arne gemacht habe).